Berichte 2022

Am Samstag den 02. April fand der erste Landeslehrgang für Erwachsene in Lüdingworth statt, nachdem schon die Kids aktiv und laut in der Halle waren. Es wurde bei den 25 Erwachsenen jedoch nicht leiser. Der Referent Bernd Kunze (5. Dan JJ und Vizepräsident Breitensport) feuerte mit seinen Ideen, nach dem erfolgreichen Jugendlehrgang, sofort ein weiteres Feuerwerk des Ju-Jutsus ab. Er unterteilte den Lehrgang in drei vielversprechende Teile auf, die zwar auf den ersten Blick nichts miteinander gemeinsam hatten, aber trotzdem ineinandergriffen. 

Der erste Part nannte sich „One Inch“ Ju-Jutsu. 2,54 cm ist eine minimale Entfernung, aber oft entscheidend. Auf der einen Seite gelingt kein Treffer, wenn sie fehlen. Auf der anderen Seite kann man auch aus dieser minimalen Distanz effektiv angreifen. Große Ausholbewegungen sind hier gar nicht möglich, da der Gegner sie sofort sieht und entsprechend reagiert. Diese kurze Entfernung, die „Kribbeldistanz“, war für viele Teilnehmer*innen ungewohnt und vor allem unangenehm. Besonders bei Angriffen aus dieser Distanz ist es wichtig, die Bewegungslehre perfekt einzusetzen. Bernd demonstrierte den weltberühmten „One Inch Punch“ von Bruce Lee spektakulär. Sein Gegner landete ein ganzes Stück von Bernd entfernt auf dem Boden, nachdem auch der Stuhl der Energie nicht standhalten konnte und zerbrach. Dies übten die Teilnehmenden aus sogenannten Schubsereien, um dort schnell auf sehr kurzer Distanz zu reagieren. Bei klassischen Prüfungsangriffen auf der Matte kommt es zwar eher nicht zu einer solch kleinen Distanz. Für die Selbstverteidigung hingegen ist diese Arbeit eine wichtige Grundlage. Denn im realen Leben, kommt es häufiger zu Auseinandersetzungen aus dieser Entfernung.
Noch vor der Pause bekamen die Sportler*innen von Bernd die Aufgabe, sich über das „E“ im Ju-Jutsu Gedanken zu machen. Und so wurde die kurze Pause auch genutzt, während sich die Ju-Jutsuka mit Kaffee und Kuchen stärkten.

Nach einem kurzen erneuten Aufwärmen, wurden schließlich die Vorschläge der Teilnehmenden zu dem „E“ besprochen. Es gab einige großartige Ideen, doch noch immer wussten die Ju-Jutsuka nicht, was genau sie jetzt erwartete. Dass das „E“ für „Energie“ wichtig ist, hatten die Athleten und Athletinnen am eigenen Leib im ersten Teil des Lehrganges schon erfahren. Auch dass sie nur mit Entschlossenheit etwas erreichen, war allen bereits klar. Doch Bernd führte ihnen auch die Bedeutung des Entspannens vor Augen. Dies ist ein extrem wichtiger Punkt in der Selbstverteidigung. Bernd hatte zu diesem Thema einen Stressdrill mit Hilfe eines „Ju-Ju Memories“ vorbereitet, der bei allen Sportlern und Sportlerinnen gut ankam. In 5er Gruppen sollte je einer einige Memoriepaare finden, während die anderen ihn verbal und leicht physisch angriffen. Diese Aufgabe stellte sich als ganz schön schwierig heraus. Nachdem man das Memorie gelöst hatte, musste man aufstehen, durch den Kreis brechen und zur Tür laufen. Dadurch sollte gezeigt werden, wie wichtig es ist, auch in angespannten Situationen möglichst entspannt zu bleiben und den Überblick zu halten. Nur so kann man in einer SV-Situation mögliche weitere Angreifer, sowie auch Fluchtwege im Auge behalten. Dieses wurde dann in 3er Gruppen weiter vertieft und auch mögliche Nothilfe Situationen trainiert. Manchmal stellt man dabei jedoch fest, dass sich die Person, der man helfen wollte, sich gegen einen stellt und man plötzlich zwei Gegner vor sich hat. Gerade wenn man sich in Ehestreitigkeiten einmischt, kann das durchaus passieren, wie Bernd bei der Darstellung selbst feststellen durfte. 

Nach einer weiteren kurzen Pause, kam das Thema „100 Angriffe, eine Technik“ auf die Matte. Flexibilität ist Bernd besonders wichtig. Die Ju-Jutsuka sollten möglichst keine Abwehrtechnik abbrechen, sondern einfach solange weiter machen, bis sie zum Ziel gelangt sind. Bernd hatte sich hierfür den Handdrehbeugehebel ausgesucht. Er wollte ihn jedoch nicht klassisch gegen den Griff ins Revers sehen. Stattdessen sollte sich mit ihm gegen die Doppelhandsichel, den Schwitzkasten von der Seite, dem Umklammern von vorne unter den Armen, einen Fußstoß vorwärts und noch einigen anderen ungewöhnlichen Angriffen verteidigt werden. Die Athlet*innen hatten sehr viel Spaß hier ihre eigenen Lösungen zu finden und nicht alles vorab vom Referenten vorgekaut zu bekommen. Dabei entstanden viele großartige Lösungswege. Bernd betonte dabei immer wieder, dass man auf der Straße den Angriff nicht erst zulassen muss, bevor man zur Verteidigung ansetzt.

Auch dieser Part brachte allen viel Spaß und im Abschlussgespräch erhielt Bernd sehr viel positives Feedback für diesen ungewöhnlichen Lehrgang. Die Teilnehmenden erklärten, dass sie viele neue Ideen und Erkenntnisse mit nach Hause nehmen und fragten, ob und wann so ein Lehrgang wieder stattfindet. Damit war auch dieser Lehrgang in Lüdingworth an diesem Tag ein voller Erfolg für alle Anwesenden.

 

Medienteam NJJV