Manchmal passt ein Moment einfach perfekt: Am zweiten Tag des Landesseminars, vor der großen Gemeinschaft aus Übernachtungs- und Tagesgästen, wurde Werner Thole mit dem 8. Dan Ju-Jutsu ausgezeichnet. Die Überraschung war groß, die Freude noch größer – denn genau 44 Jahre nach seiner Prüfung zum 1. Dan erhielt Werner nun die Graduierung, die ihn zum höchsten aktiven Großmeister in Niedersachsen macht.
In seiner Laudatio würdigte NJJV-Präsident Willi Tacke die außergewöhnliche Laufbahn und das jahrzehntelange Engagement Werners. Als Gründungspräsident des Niedersächsischen Ju-Jutsu Verbandes (NJJV) spielte er eine entscheidende Rolle bei der Loslösung aus dem Niedersächsischen Judoverband und legte damit den Grundstein für den eigenständigen Verband, wie wir ihn heute kennen. Doch seine Geschichte reicht viel weiter zurück – bis in die Anfänge des Ju-Jutsu in Niedersachsen.
Von den Anfängen bis zum Meistergrad
Werners Weg auf die Matte begann 1971, im gleichen Monat wie die Gründung der Ju-Jutsu-Sektion im NJV. Schon wenige Jahre später legte er seine ersten Prüfungen ab, gründete 1977 die Ju-Jutsu-Abteilung im VfL Bad Iburg und übernahm früh Verantwortung als Trainer und Abteilungsleiter. Sein sportlicher Aufstieg verlief rasant: Von den Kyu-Graden bis hin zum 1. Dan im Jahr 1981, begleitet vom Erwerb der ersten Trainer- und Prüferlizenzen.
In den folgenden Jahren setzte Werner seinen Weg konsequent fort: 1982 folgte der 2. Dan, 1984 der 3. Dan und 1989 der 4. Dan. Parallel dazu begann er, Verantwortung in der Verbandsarbeit zu übernehmen – zunächst im Bezirk Weser-Ems, später auf Landesebene und schließlich im Bundesverband.
Gestalter und Wegbereiter des NJJV
Besonders prägend war seine Rolle 1991/92: In einer Zeit großer Umbrüche gelang es Werner mit viel Vermittlungsgeschick, den Weg für die Eigenständigkeit des Ju-Jutsu in Niedersachsen zu ebnen. 1992 wurde er zum ersten Präsidenten des neu gegründeten NJJVs gewählt. Später folgten weitere Ämter, etwa als Geschäftsführer, Vizepräsident Breitensport und schließlich seit 2023 als Direktor Behörden.
Doch Werner blieb immer auch Sportler: 1993 erwarb er den 5. Dan, 2003 erhielt er den 6. Dan und 2015 den 7. Dan. Noch im Alter von 70 Jahren legte er die Prüfung zum 2. Dan Jiu ab – ein Beweis dafür, dass er den sportlichen Weg nie aus den Augen verlor.
Lehrer, Prüfer und Vorbild
Neben seinen Funktionen im Verband war Werner immer auch auf der Matte präsent. Als Prüfer hat er über Jahrzehnte unzählige Kyu- und Dan-Prüfungen abgenommen. Als Referent leitete er mindestens 40 Landeslehrgänge und drei Bundeslehrgänge, dazu kam der Einsatz beim BuSem Polizei. Viele Ju-Jutsuka verbinden seinen Namen zudem mit dem Projekt „Ju-Jutsu und Bike“, das er inzwischen 10-mal organisiert hat – ein Sinnbild für seine Konstanz und Kreativität im Angebotsportfolio des Verbandes.
Auch in neuen Disziplinen wie Jiu und Hanbo stellte er sich den Prüfungen, bestand innerhalb weniger Jahre mehrere Grade und übernahm auch hier Verantwortung als Prüfer.
Eine Auszeichnung für ein Lebenswerk
Werner Thole hat das Ju-Jutsu in Niedersachsen geprägt wie kaum ein anderer. Mit über 50 Jahren Einsatz als Sportler, Funktionär, Ausbilder und Organisator steht er für Beständigkeit, Vermittlungsgeschick und die Fähigkeit, immer wieder neue Impulse zu setzen.
Die Verleihung des 8. Dan Ju-Jutsu ist deshalb weit mehr als eine persönliche Ehrung. Sie würdigt ein Lebenswerk, das Generationen von Sporttreibenden inspiriert hat – und noch heute prägt. Werner ist nicht nur der höchstgraduierteste aktive Ju-Jutsuka in Niedersachsen, sondern ein lebendiges Vorbild für Leidenschaft, Engagement und den unerschütterlichen Glauben an die Kraft des Sports.

